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Alessandra aus Tempelhof im Interview

Bei CABUWAZI Tempelhof liegt ein großer Schwerpunkt auf der Arbeit mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dafür fahren die Trainer*innen normalerweise in Gemeinschaftsunterkünfte in verschiedene Berliner Bezirke. Zirkustraining in den Unterkünften, das ist jedoch leider seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr möglich. Wie der Kontakt zu den Kindern trotzdem gehalten werden kann, erzählt uns Alessandra aus Tempelhof. Außerdem spricht die Sozialpädagogin, die für CABUWAZI für verschiedene Unterkünfte in Kreuzberg und Mariendorf zuständig ist, mit uns über die besonderen Herausforderungen, die es in der aktuellen Situation gibt – was ihr Hoffnung macht, hat sie uns aber auch verraten!

Seit wann könnt ihr nicht mehr in die Unterkünfte gehen und mit den Kindern trainieren?

Seit letztem Jahr – im Sommer haben wir dann zusammen mit der Flüchtlingskirche und Berlin Mondiale Zirkus auf dem Gelände der Kirche angeboten. So ungefähr ab April haben wir auch auf Spielstraßen Mitmachzirkus angeboten – das hat gut geklappt, trotz Corona und obwohl wir weder in den Unterkünften noch bei uns auf dem Platz trainiert haben. Nach dem Sommer wollten wir gerne weiter auf dem Gelände der Flüchtlingskirche aktiv sein, das ging dann aber nicht. Es war einfach zu kalt, um draußen Zirkus anzubieten. Deshalb haben wir dann überlegt, wie wir Angebote auf unserem Platz gestalten können – mit dem aktuellen Konzept der Wegbegleitung und Kleingruppen von bis zu fünf Kindern konnten wir den Kindern wieder ein Angebot vor Ort bieten.

Wie geht es den Kindern aus den Unterkünften? Wie sieht ihr Alltag mit Corona aus?

Es ist – wahrscheinlich ein bisschen wie bei allen Kindern – schwieriger geworden: Plötzlich läuft viel wie Schule und Hausaufgaben digital. Dazu leben sie aber auch noch in kleinen Zimmern mit großen Familien. Das bedeutet, kaum Platz für sich zu haben. Ich habe außerdem das Gefühl, dass sie ihre Kontakte vermissen. Deshalb gibt es bei uns eine Telefonnummer, unter der sie sich melden können. Sie haben uns am Anfang jeden Tag geschrieben, sie wollen alles erzählen und brauchen den Kontakt. Auch bei unseren Zoommeetings, die wir als Ersatz für das Präsenztraining angeboten haben, ging es für die Kinder eher darum, sich zu treffen und uns von ihrem Alltag zu erzählen – man merkt, dass sie CABUWAZI schätzen und den Kontakt zu uns suchen.

Wie haben sich die Kinder deiner Meinung nach während des letzten Jahres verändert?

Es gibt tatsächlich eine Veränderung: Sie suchen und fragen nach uns! Vor Corona waren sie da, um Spaß zu haben und um zu trainieren. Aber in den letzten Monaten suchen sie stärker den Kontakt zu uns und wollen zum Bespiel wissen, wie es mit den Gesundheitserklärungen läuft. Sie sind aufmerksamer, fragen, was sie mitbringen sollen. Ich glaube, sie schätzen die unsere Angebote jetzt noch mehr.

Was habt ihr euch Überlegt, damit die Kinder trotz der aktuellen Situation zu euch kommen können?

Wir bieten jetzt Aktivitäten in Kleingruppen an. Das geht, weil wir zur Kinder- und Jugendhilfe gehören. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass wir die Kinder begleiten auf ihrem Weg von der Unterkunft zu uns. Denn: Viele sind noch jung, würden es nicht alleine schaffen und könnten sonst nicht kommen. Die Beziehung zur Wegbegleitung ist gut – es ist wichtig, dass das eine verlässliche Person ist.

Wie sehen die Angebote im Moment aus? Wie viele Kinder und wie oft in der Woche können sie zum Platz kommen?

Es können bis zu fünf Kinder in einer Gruppe an einem Angebot teilnehmen, es ist immer die gleiche Gruppenkonstellation. Außerdem tragen wir Masken, desinfizieren regelmäßig und halten Abstand. Wir spielen jetzt viele Spiele, die auch gut mit Abstand funktionieren. Außerdem bieten wir Disziplinen wie Kugellaufen und Seilspringen an. Die Kinder kommen einmal pro Woche, aber sie sagen, dass sie gerne öfter kommen würden.

Warum ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen weiter zu CABUWAZI kommen können?

Die Kinder und wir brauchen Kontinuität – für die Beziehungsarbeit mit den Trainer*innen als Bezugspersonen ist es wichtig, dass man regelmäßig aufeinandertrifft. Es ist aber auch wichtig für die Gruppen, einmal rauszukommen aus der digitalen Welt. Sie haben ja weniger Kontakte, weil alles online stattfindet. Kinderschutz spielt außerdem eine große Rolle: Wenn sie hier auf dem Platz sind, haben sie die Möglichkeit, uns anzusprechen. Das passiert eher, als wenn wir uns nur online sehen. Wir kennen uns gut und sie vertrauen uns, diese wichtige Stütze können wir ihnen mit unserem Kleingruppenkonzept weiter geben.

Was wünscht du deinen CABUWAZI-Kindern für die Zukunft?

Erst einmal: alles, alles Liebe! Dass sie sich hier wohlfühlen, Spaß haben und sich individuell und in der Gruppe weiterentwickeln. Es geht mir in meiner Arbeit nicht nur darum, dass sie eine tolle Show auf die Beine stellen, sondern vor allem möchte ich, dass sie CABUWAZI als einen guten Ort empfinden, an dem sie sich wohlfühlen und der Raum für Entwicklung lässt. Und eine Entwicklung sehe ich schon: Am Anfang haben sie sich häufig gestritten. Hier haben sie gelernt, respektvoll und ohne Beleidigungen Konflikte zu lösen – untereinander oder wenn das nicht geht, uns um Hilfe zu bitten. Diese Art der sozialen Kompetenzentwicklung finde ich toll. Ein großes anderes Ziel und deshalb auch ein Wunsch für die Kinder ist es, dass die Gruppen nicht mehr so lange so klein bleiben müssen – dass sie mit anderen Kindern und Jugendlichen zusammenkommen können. Es ist sinnvoll, dass sie am Anfang zusammen in einer Gruppe sind und eine Eingewöhnungszeit haben, aber sie sollen nicht auf Dauer die „besonderen Gruppen“ sein – sondern mit allen Kindern trainieren. Ich hoffe, dass das nach Corona ganz schnell klappt!